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Waman Wasi in Peru - ein Kommentar von Albert Recknagel

Albert Recknagel, Gründungsmitglied von HelpAge Deutschland, ist Experte für unsere Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation Waman Wasi in Peru.

Waman Wasi in Peru: Die Wächter der Zukunft

ein Kommentar von Albert Recknagel, Gründungsmitglied von HelpAge Deutschland

"Waman Wasi" ist eine auffällige, an Flügel erinnernde Bergkuppe in Sichtweite von Lamas, Peru. Dahinter beginnt das Tieflans des Amazonas. Das Quechua-Wort bedeutet „Haus des Falken“ - der Falke steht für Weisheit und Schutz. Unser peruanischer Projektpartner hat sich hiernach benannt, um auf die Bedeutung des indigenen Wissens für uns und unsere gemeinsame Zukunft aufmerksam zu machen.

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Die aktuelle Klimakrise ist planetarisch, multipel und keiner weiß, wie nahe wir dem Kipppunkt sind oder ob wir ihn schon überschritten haben. Es wird viel davon geredet, dass „wir alle im gleichen Boot sitzen“ und „an einem Strang ziehen müssen“, aber es deutet angesichts neuer Kriege und Umweltkatastrophen wenig daraufhin, dass dies tatsächlich geschieht.

Umso wichtiger ist interkulturelles Lernen. Wenn wir nicht weiterwissen, haben vielleicht andere eine Idee? Auch wenn die konkreten Lebensumstände der Quechua-Lamas in Peru recht verschieden zu den unseren, hier in Deutschland, sind, so gibt uns ihr Handeln und ihre Weltsicht dennoch einiges an Ideen.

Foto: Eine Projektteilnehmende in Peru

Der Fokus der Projektförderung durch HelpAge liegt auf den alten Menschen. Sie sind die Wächter der Zukunft. Denn man kann nur das vermissen, woran die Erinnerung noch lebendig ist. Vieles, was im Zuge von „Fortschritt und Moderne“ in den letzten Jahrzehnten verloren ging oder dabei ist, verloren zu gehen, ist nur noch den Älteren bekannt. Wenn sie es nicht bewahren und an die Jungen weitergeben, wird es unwiederbringlich verloren sein. Das ist der Dreh- und Angelpunkt bei Waman Wasi: Die „alten Weisen“ geben ihr lokales Wissen und umweltfreundliches Know-how an die Enkelgeneration weiter. Dabei geht es nie allein um das Wissen. Ohne Zuneigung bleibt Wissen nicht haften. Das erinnern wir alle noch aus der eigenen Schulzeit: Nur die Lehrer*innen, die wir mochten, erreichten uns.

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Technik und Methoden verändern sich rasant. Wir leben nicht mehr im Wald und sind auch keine Bauern mehr. Aber damit ist das alte Wissen nicht obsolet. Praktische Regeln wie „Nimm dir nicht mehr, als du brauchst!“ gelten für alle Zeiten und Gesellschaften. Aber die hochentwickelten Gesellschaften haben diese Einsicht der Gier geopfert. In ihren „aufgeklärten Kulturen“ hat sich der Mensch in den Mittelpunkt gestellt und zum Maß aller Dinge gemacht. Er definiert, was lebenswert ist und was nicht. Die Weltanschauung der Indigenen ist hingegen ganzheitlich: Alles, die gesamte Natur lebt. Das fördert Demut und Respekt bei der Nutzung von Lebensräumen und Ressourcen.

Foto: Ein Mann zeigt die traditionelle Art des Korbflechtens.

Weitergabe von Wissen und Lernen findet bei Waman Wasi nicht nur im Klassenraum statt. Der Acker, der Fluss, der Wald und die Gemeinde - sie alle sind offene, praktische Lernräume. Gemeinsam lernen und arbeiten in freier Natur aktiviert nicht nur den Verstand, sondern auch Hand und Herz. Auch computergesteuerte "Virtual Reality"-Brillen werden das nicht ersetzen können. Deshalb setzt Waman Wasi weiterhin auf die „weisen Alten“ als Wächter der Zukunft.

Eine ältere peruanische Frau erklärt etwas zu den einheimischen Pflanzen und Kräutern, die vor Ort wachsen.

Ihre Ansprechperson

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Meike Naujoks

Projektreferentin