Nadine Fels von HelpAge Deutschland und Paul Meimberg vom Seniorenbeirat sprechen mit fünf OB-Kandidat*innen in der Stadtteil-Rikscha über gutes Älterwerden in Osnabrück.
Mit der Stadtteil-Rikscha im Gespräch: Was braucht gutes Älterwerden in Osnabrück?
07.09.2026
Im Gespräch in der Rikscha: Wie wollen wir in Osnabrück älter werden?
Was bewegt ältere Menschen in Osnabrück und wie wollen die Kandidatinnen für das Amt der Oberbürgermeisterin beziehungsweise des Oberbürgermeisters damit umgehen? Dieser Frage sind Nadine Fels, Vorstand von HelpAge Deutschland und Paul Meimberg, Vorsitzender des Osnabrücker Seniorenbeirats gemeinsam nachgegangen und haben fünf OB-Kandidat*innen zu einem besonderen Gespräch eingeladen: unterwegs in der Stadtteil-Rikscha „Herz & Pedale“ im Schlossgarten.
Die Rikscha bringt dabei mehr in Bewegung als nur ihre Fahrgäste. Sie schafft Raum für einen Perspektivwechsel und lenkt den Blick auf ein Thema, das uns alle betrifft: das Älterwerden.
Im Mittelpunkt standen Fragen nach Teilhabe, Ehrenamt, Mobilität, Begegnung, Wohnen, Einsamkeit und einer Stadt, in der Menschen gut und selbstbestimmt älter werden können. Dabei ging es nicht nur um politische Vorhaben, sondern auch um persönliche Perspektiven: Was bedeutet Älterwerden für die Kandidat*innen selbst? Welche Erfahrungen prägen ihren Blick? Und was wünschen sie sich für das eigene Leben im Alter?
Die Stadtteil-Rikscha steht für mehr Teilhabe im Alter, mehr Begegnung und weniger Einsamkeit.
Foto: Nadine Fels von HelpAge und Paul Meimberg vom Seniorenbeitrat bei der Vorbereitung zum Gespräch.
Oliver Hasskamp: „Das Wissen und die Potenziale älterer Menschen werden nicht genug gesehen“
Mit Oliver Hasskamp ging es unter anderem um die Bedeutung von Ehrenamt, kurze Wege in der Stadt und die Frage, wie ältere Menschen stärker in das gesellschaftliche Leben eingebunden werden können.
Für Hasskamp spielt das Ehrenamt eine zentrale Rolle, gerade auch mit Blick auf das Älterwerden in Osnabrück. In seiner Vorstellung vom 80. Geburtstag blickt er auf eine Stadt zurück, in der er geboren wurde und gut älter werden konnte: „Es ist eine Stadt der kurzen Wege, die auch gerade im Alter wichtig sind. Besondere Bedeutung findet das Ehrenamt, das mir immer wichtig war und viel gegeben hat.“
Auch die kommunale Ebene sieht er in der Verantwortung. Die Stadtverwaltung könne noch aktiver auf Möglichkeiten des Ehrenamts hinweisen, zum Beispiel direkt bei der Anmeldung im Bürgeramt. Zugleich betont er, dass ältere Menschen nicht nur Unterstützung brauchen, sondern selbst viel zur Gemeinschaft beitragen können: „Das Wissen und die Potenziale der älteren Menschen in Osnabrück wird nicht genug gesehen und für die Gemeinschaft genutzt.“
Ein weiterer Punkt im Gespräch war die Mitbestimmung. Hasskamp hält eine stärkere Einbindung des Seniorenbeirats in Ausschüsse für sinnvoll, um über eine rein beratende Funktion hinaus mehr Wirkung zu ermöglichen.
Foto: Oliver Hasskamp im Gespräch mit Paul Meimberg vom Seniorenbeirat und Nadine Fels von HelpAge
Katharina Pötter: „Osnabrück hat eine hohe Lebensqualität für alle Generationen“
Auch mit Katharina Pötter stand die Frage im Mittelpunkt, wie ältere Menschen in Osnabrück sichtbar bleiben und gute Bedingungen für Teilhabe finden können.
Pötter verwies auf die hohe Lebensqualität der Stadt: „Osnabrück hat eine unglaublich hohe Lebensqualität für alle Generationen, aber gerade auch für ältere Menschen.“ Sie hob besonders die grüne Umgebung und die gut ausgebaute Infrastruktur hervor, von Gesundheitsversorgung bis Kultur, vieles sei fußläufig, mit dem Bus oder mit dem Fahrrad erreichbar.
Beim Thema Ehrenamt sieht sie vor allem bei den sogenannten Jungen Alten großes Potenzial. Die Engagementstrategie könne dazu beitragen, weitere Potenziale zu heben, insbesondere bei Menschen, die demnächst aus dem Berufsleben ausscheiden.
Auch die Rolle des Seniorenbeirats wurde angesprochen. Pötter nahm den Wunsch wahr, dass der Seniorenbeirat antragsberechtigt im Ausschuss sein könnte, und sieht darin einen Punkt, den man weiter ausarbeiten könne. Mit Blick auf ihren 80. Geburtstag sprach sie von Dankbarkeit: für die Stadt, für die Menschen und dafür, in Osnabrück gut und lebendig alt werden zu können.
Foto: Katharina Pötter im Gespräch mit Paul Meimberg vom Seniorenbeirat und Nadine Fels von HelpAge
Prof. Dr. Thomas Groß: „Teilhabe im Alter darf keine Frage von Glück oder Zufall sein“
Im Gespräch mit Prof. Dr. Thomas Groß ging es stark um Beteiligung, Ehrenamt und offene Orte der Begegnung in den Stadtteilen.
Groß betonte, dass Osnabrück das Ehrenamt deutlicher stärken müsse. Die Stadt könne unterstützen, informieren und werben. Gerade die zunehmende Zahl von Menschen im Rentenalter sei ein Potenzial, das stärker genutzt werden sollte. Dafür brauche es offene Treffpunkte in den Stadtteilen, an denen sich Ehrenamtliche und andere Menschen ohne Konsumzwang begegnen können.
Auch beim Seniorenbeirat sieht Groß Entwicklungsmöglichkeiten. Ein Stimmrecht bewertet er aus demokratischen Gründen anders, ein Antragsrecht würde er aber unterstützen. Damit könnte der Seniorenbeirat Anliegen älterer Menschen verbindlicher in politische Prozesse einbringen.
Mit Blick auf seinen eigenen 80. Geburtstag sprach Groß über Gemeinschaft, geistige Fitness und die Möglichkeit, weiter für andere da zu sein: „Wenn man geistig fit ist und sich weiter um andere Menschen kümmert, dann kommt man mit den Nachteilen des Älterwerdens bei der körperlichen Verfassung gut klar.“
Foto: Prof. Dr. Thomas Groß im Gespräch mit Paul vom Seniorenbeirat und Nadine Fels von HelpAge
Volker Bajus: „Alter ist nicht nur ein Problem“
Mit Volker Bajus wurde die Fahrt trotz Regen zu einem herzlichen und intensiven Austausch über Beteiligung, Ehrenamt und Generationengerechtigkeit.
Bajus machte deutlich, dass Beteiligung in Osnabrück weitergedacht werden müsse. Seniorenbeirat und Jugendparlament seien wichtige Formen der Beteiligung, reichten aber noch nicht aus. Besonders Menschen aus sozial schwierigen Verhältnissen kämen bisher zu wenig zu Wort.
Beim Ehrenamt sieht Bajus großes Potenzial, gerade bei Menschen, die jetzt in Rente gehen. Besonders spannend findet er die Idee, ältere Menschen stärker in Schulen und Kitas einzubinden. So könne gleichzeitig das Ehrenamt gestärkt und der Austausch zwischen den Generationen gefördert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Hitze. Bajus sprach sich für einen richtigen Hitzeaktionsplan aus. Die Stadt müsse kühler werden, vor allem durch mehr Bäume, Büsche und Begrünung. Zugleich müssten besonders gefährdete Orte wie Krankenhäuser und Altenheime besser geschützt werden.
Am Älterwerden selbst schätzt Bajus Erfahrung und Gelassenheit: „Alter ist nicht nur ein Problem. Es gibt auch Vorteile: Erfahrung hilft gerade in Krisen- und Stresssituationen, weil man manche Dinge schon hinter sich gebracht hat.“
Fot: Volker Bajus im Gespräch mit Paul Meimberg vom Seniorenbeirat und Nadine Fels von HelpAge
Robert Alferink: „Osnabrück hat beim Älterwerden einen großen Vorteil“
Bei der Fahrt mit Robert Alferink zeigte sich der Schlossgarten wieder von seiner sonnigen Seite. Im Mittelpunkt standen Ehrenamt, Natur, Mobilität und die Frage, wie ältere Menschen in Osnabrück gut am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Alferink betonte, dass das Ehrenamt gestärkt und den Menschen, die das gesellschaftliche Leben in der Stadt am Laufen halten, mehr Wertschätzung entgegengebracht werden müsse. Dazu gehöre auch die Frage, ob Vorstandsarbeit in Vereinen stärker unterstützt werden könne.
Auch er sprach sich dafür aus, dem Seniorenbeirat ein Antragsrecht zu ermöglichen. Ein Stimmrecht würde er aus demokratischen Gründen anders bewerten, ein Antragsrecht halte er aber für selbstverständlich gut.
Einen besonderen Vorteil Osnabrücks sieht Alferink in der Lage der Stadt: „Osnabrück hat beim Älterwerden den unglaublichen Vorteil, dass wir mitten in einem Naturpark liegen und schnell im Grünen sind.“ Gerade wenn man noch mobil sei, könne man in der Region viel erleben.
Foto: Robert Alferink im Gespräch mit Paul Meimberg vom Seniorenbeirat und Nadine Fels von HelpAge
Ansprechperson
Nadine Fels
Geschäftsführender Vorstand und Vorstandssprecherin