Eine neue HelpAge-Studie beleuchtet die Situation älterer Menschen in Gaza und präsentiert erschreckende Ergebnisse zu der katastrophalen Lage, in der sich diese besonders vulnerable Gruppe befindet.
„Pushed Beyond Their Limits“ – neue HelpAge-Studie zur humanitären Krise in Gaza erschienen
10.02.2026
Großer Hilfsbedarf in Gaza
Tausende Tote, noch mehr Verletzte, zu wenig Nahrung und Medikamente, zerstörte Häuser und Infrastruktur und mehrfache Vertreibungen – das Leid, das die Menschen in Gaza seit mehr als zwei Jahren ertragen müssen, ist unvorstellbar. Dank Ihrer Unterstützung kann HelpAge, zusammen mit unseren lokalen Partnerorganisationen und unserem internationalen Netzwerk, den Menschen in Gaza, insbesondere ältere Menschen, wirkungsvoll helfen und zumindest den unmittelbaren Folgen des Krieges entgegenwirken: mit Nahrungsmitteln, Bargeldzahlungen, medizinischer Unterstützung und vielem mehr. Doch der Hilfsbedarf vor Ort ist nach wie vor immens.
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HelpAge-Studie zeigt: Ernährungssituation in Gaza kritisch
Wie genau trifft die humanitäre Krise in Gaza ältere Menschen? Dieser Frage geht die neue Studie „Pushed Beyond Their Limits: The survival of older people in Gaza“ von HelpAge International in Zusammenarbeit mit Amnesty International nach. Für die Studie wurden 416 ältere Menschen aus vier der fünf Gouvernements im Gazastreifen zu ihrem Zugang zu Nahrungsmitteln und Medikamenten, ihrem medizinischen Zustand und ihrem psychischen Wohlbefinden befragt – mit erschreckenden Ergebnissen: 94% der Befragten haben Schwierigkeiten überhaupt an Lebensmittel zu gelangen, rund 25% berichten, dass sie in den vergangenen sieben Tagen mindestens einen ganzen Tag keine einzige Mahlzeit zu sich genommen haben. Besonders hohe Preise und weite Wege zum nächsten Markt oder Verteilungszentrum sind häufige Gründe hierfür. Aber selbst wenn man etwas zu Essen bekommt, heißt das noch lange nicht, dass dieses auch problemlos zubereitet und gegessen werden kann: Fast 60% der Befragten gaben an, dass ihnen Brennstoff, Wasser und Kochutensilien fehlen, um sich eine Mahlzeit zuzubereiten. Altersbedingte Krankheiten im Bereich der Mundhygiene sorgen zudem dafür, dass 88% der Befragten Schwierigkeiten haben, Nahrungsmittel überhaupt aufzunehmen.
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Multidimensionale Herausforderungen für Ältere
Viele der Probleme, mit denen sich ältere Menschen in Gaza konfrontiert sehen, sind multidimensional und bedingen sich teilweise gegenseitig: So gaben rund 52% der Befragten an, unter mindestens einer Form der körperlichen Einschränkung zu leiden, über 70% dieser Menschen haben Schwierigkeiten auch nur kurze Strecken zu laufen. Diese körperlichen Einschränkungen verschlechtern wiederum die Möglichkeiten Älterer Nahrungsmittel zu erwerben oder in sicherere Gebiete zu flüchten, wodurch sie sich verstärkt gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sehen. Um diesen Problemen angemessen zu begegnen, müssen in humanitären Programmen gezielt Hausbesuche, die Verteilung von Geh- und Sehhilfen sowie anderen Hilfsmitteln und speziell an die Bedarfe Älterer angepasste Verteilmechanismen für humanitäre Hilfsgüter verankert werden.
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Mehrfache Vertreibungen & zerstörte Infrastruktur
Seit Beginn des Krieges mussten die Menschen im Gazastreifen immer wieder vor akuten Kampfhandlungen aus ihren Häusern und Notunterkünften fliehen. Rund 97% aller Befragten gaben an, in den letzten Jahren mindestens drei Mal innerhalb des Gazastreifens vertrieben worden zu sein. Gerade für ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität stellen schnelle und sichere Evakuierungen im Notfall eine große Herausforderung dar. Vor dem Hintergrund, dass mindestens 90% aller Wohnhäuser in Gaza zerstört wurden, gaben außerdem etwa 76% an, aktuell kein festes Dach über dem Kopf zu haben und in oftmals überfüllten Zelten zu leben, was gerade im Winter direkte negative Auswirkungen auf ihre körperliche und psychische Gesundheit hat.
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Humanitäre Hilfe darf Ältere nicht vergessen
Die Ergebnisse der Studie sind so erschreckend wie eindeutig: Die humanitäre Krise in Gaza betrifft ältere Menschen besonders stark. Viele von ihnen leiden unter chronischen, altersbedingten Krankheiten, lebenswichtige Medikamente zur Behandlung oder medizinische Hilfsgegenstände fehlen allerdings oftmals. Darüber hinaus bedrohen die mehrfachen Vertreibungen innerhalb des Gazastreifens das Wohlergehen älterer Menschen, besonders wenn diese körperlich nur eingeschränkt mobil sind. Außerdem muss die Ernährungsunsicherheit vieler älterer Menschen in Gaza beendet werden: Es fehlt nicht nur am Zugang zu ausreichend Nahrungsmitteln, sondern auch an Brennstoffen zum Kochen und Heizen. Auch die Notunterkünfte sind oftmals nicht auf die besonderen Bedarfe ältere Menschen ausgelegt.
Um ältere Menschen in Gaza also effektiv vor all diesen, sich teilweise gegenseitig bedingenden Problemen zu schützen, müssen humanitäre Hilfsangebote diese Aspekte bei der Konzeption von Hilfsprogrammen von Anfang an priorisieren, um Schaden so gut es geht von älteren Menschen abzuwenden.
Die komplette Studie zum selbst nachlesen finden Sie in englischer Sprache hier:
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