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Nadine Fels und Dr. Tom Kafczyk vor dem Büro von HelpAge Deutschland in Osnabrück

“Unsere Aufgabe ist es, Brücken zu bauen“ – Interview mit Nadine Fels und Dr. Tom Kafczyk

25.03.2026

Seit gut einem halben Jahr sind Nadine Fels und Dr. Tom Kafczyk die neuen geschäftsführenden Vorstände von HelpAge Deutschland. Im Interview erzählen sie, was sie persönlich antriebt sich für ältere Menschen einzusetzen und welche neuen Impulse sie als Doppelspitze gemeinsam setzen wollen.

"Vier Augen sehen mehr als zwei" - Neue Doppelspitze von HelpAge stellt sich vor

HelpAge: Was bedeutet es Ihnen persönlich, jetzt gemeinsam die Verantwortung für HelpAge Deutschland zu übernehmen? 

Nadine Fels:Für mich ist es eine große Verantwortung und zugleich ein großes Privileg, gemeinsam mit einem starken Team und einer unterstützenden Mitgliederschaft die Zukunft von HelpAge Deutschland zu gestalten. Ich bin – mit Unterbrechung durch die Elternzeiten meiner beiden Töchter – die Dienstlängste bei HelpAge. In dieser Zeit habe ich erlebt, wie viel Engagement, Fachwissen und Herzblut hier zusammenkommen.  

Die Möglichkeit, nun in gemeinsamer Verantwortung mit Tom die strategische Weiterentwicklung zu begleiten, empfinde ich als Vertrauensbeweis und eine große Chance. Besonders wichtig ist mir, dass wir die Stimme älterer Menschen hörbar und sichtbar machen und ihre Rechte noch stärker in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. 

Dr. Tom Kafczyk: In den vergangenen Jahren durfte ich HelpAge bereits in verschiedenen Rollen begleiten, zuletzt als Abteilungsleiter des Programmbereichs. Dass Nadine und ich die Verantwortung nun gemeinsam übernehmen, ist für mich ein konsequenter Schritt. Wir ergänzen uns in unseren unterschiedlichen Kompetenzen ideal, um die anstehenden Transformationsprozesse zu meistern. Dennoch begegne ich dieser Aufgabe mit großer Demut und der festen Überzeugung, dass wir als Organisation lernbereit und offen bleiben müssen. Wir haben keine fertigen Antworten auf die rasanten globalen Umbrüche, sondern müssen bereit sein, unsere Ansätze stetig zu hinterfragen und von unseren Partnern weltweit zu lernen. 

Nadine Fels, Geschäftsführerin von HelpAge Deutschland, lächelnd vor einer roten Wand.
Nadine Fels ist seit 2018 Teil von HelpAge und leitete zuletzt den Bereich Werbung & Öffentlichkeitsarbeit. © Kai Ostermann/ bildgewandt

HelpAge: HelpAge setzt auf eine Doppelspitze. Warum hat sich der Verein für dieses Modell entschieden und welche Vorteile sehen Sie darin? 

Nadine Fels:Die Doppelspitze spiegelt die Werte unserer Organisation wider: Zusammenarbeit, unterschiedliche Perspektiven und gemeinsame Verantwortung. Unsere Themen sind komplex, und erstrecken sich von der humanitären Hilfe bis hin zur entwicklungspolitischen Advocacy. In einer Doppelspitze können Tom und ich unsere Erfahrungen und Kompetenzen zusammenbringen und Entscheidungen intensiver reflektieren. Gerade in einem dynamischen Umfeld, in dem Organisationen wie HelpAge Deutschland schnell auf globale Entwicklungen reagieren müssen, ist diese Form der geteilten Verantwortung ein großer Vorteil.   

Dr. Tom Kafczyk: Ich sehe das ganz ähnlich. Für uns ist die Doppelspitze auch ein Ausdruck moderner Governance. Vier Augen sehen mehr als zwei – das stärkt die Professionalität der Organisation und ist zugleich ein gutes Instrument des Risikomanagements. Wir haben unsere Aufgaben entlang unserer Stärken aufgeteilt: Nadine verantwortet die Bereiche Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising sowie Policy & Advocacy. Ich begleite schwerpunktmäßig die Programme, die Finanzen und die Verwaltung. Die strategische Weiterentwicklung gestalten wie gemeinsam. 

Dr. Tom Kafczyk von HelpAge Deutschland vor einer Weltkarte im Büro.
Dr. Tom Kafczyk stieß 2019 zu HelpAge und leite ab 2020 den Programmbereich. © Kai Ostermann/ bildgewandt

HelpAge: Sie sind beide schon seit Jahren im Verein tätig. Was motiviert Sie, sich auch heute noch mit so viel Engagement für ältere Menschen weltweit einzusetzen? 

Nadine Fels:Mich motivieren vor nach wie vor die vielen Begegnungen mit älteren Menschen und ihre Lebensrealitäten weltweit. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass Älterwerden noch zu oft als „Nischenthema“ betrachtet wird, obwohl es ein globaler Megatrend ist. Überall auf der Welt werden Menschen älter. Und gleichzeitig fehlen vielerorts noch die Strukturen, die ein gutes Leben im Alter ermöglichen, wie soziale Sicherung, Gesundheitsversorgung oder gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig sehe ich, wie viel ältere Menschen für ihre Familien und Gemeinschaften leisten. Für mich gehört zu einem gerechten und solidarischen Gemeinwesen, das Leben vom Anfang und vom Ende her zu denken. Daran mitzuwirken, ist bis heute meine größte Motivation. 

Dr. Tom Kafczyk:Ich erlebe oft eine Resignation angesichts der vielen globalen Krisen. Die Frage „Was kann ich überhaupt bewirken?“ begegnet mir immer häufiger. Und doch liegt genau darin auch eine Motivation. Ich habe erlebt, was möglich ist, wenn Zusammenarbeit gelingt; wenn ältere Menschen durch neue Gesetze, mehr Schutz erhalten, oder Pflege- und Gesundheitsdienste ihnen ein würdevolleres Leben ermöglichen. Diese Momente geben mir Kraft. Doch vor allem motiviert es mich, nachhaltige Strukturen zu schaffen, die Menschen – auch im höheren Lebensalter - ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Es ist ein emotionales Auf und Ab, aber es gibt für mich keine stärkere Motivation, als daran mitzuwirken. 

Neue Impulse & Entwicklungspotenziale

HelpAge: Welche Schwerpunkte oder neue Impulse möchten Sie in den kommenden Jahren setzen? 

Nadine Fels:Ich denke dabei gern in einem Bild: Unsere Aufgabe ist es, Brücken zu bauen – zwischen Generationen, aber auch zwischen Menschen und Lebensrealitäten weltweit. Denn das Thema Älterwerden verbindet uns alle, egal in welchem Land wir leben. Es geht darum, politische Brücken zu schaffen, etwa durch eine Weltaltenrechtskonvention, die Altersdiskriminierung abbaut und staatliche Verantwortung klarer definiert. Es geht darum, gesellschaftliche Brücken zu bauen und ein differenziertes Bild des Älterwerdens zu fördern. Und es geht um Brücken der Solidarität. Ein persönlicher Wunsch von mir, ist eine große TV-Spendengala zugunsten älterer Menschen. Wenn wir verstehen, wie sehr uns das Thema Älterwerden alle verbindet, entsteht auch mehr Bereitschaft zur Unterstützung. 

Dr. Tom Kafczyk: Nadine hat das Bild der Brücken treffend beschrieben. Damit diese Brücken tragfähig bleiben, müssen wir HelpAge aber auch resilienter aufstellen. Wir wollen unabhängiger von schwankenden öffentlichen Mitteln werden und gleichzeitig ein positives Bild des Älterwerdens stärken. Altersdiskriminierung abzubauen ist eine zentrale Voraussetzung.  Auch haben wir vor, lokale Strukturen in unseren Projektländern weiter ausbauen und den Austausch zwischen lokalen Partnern stärken – um auch diese wertvolle Brücke anzusprechen. Ganz wichtig ist dabei, das lokale Wissen zu erhalten und gezielt zu fördern. Unsere Partner vor Ort verfügen über eine enorme Expertise, die wir wertschätzen und mehr in den Mittelpunkt stellen müssen. 

Mitarbeiterin von HelpAge International im Gespräch mit einer älteren Frau im Freien.
HelpAge baut Brücken zwischen den Generationen. © Ivanka Kate Yakovyna/ HelpAge International

HelpAge: Wo sehen Sie aktuell die größten Entwicklungspotenziale, aber auch Herausforderungen für HelpAge Deutschland?

Dr. Tom Kafczyk: Das größte Potenzial sehe ich in einer intensiveren Vernetzung und Zusammenarbeit. Wenn es uns gelingt, Kräfte zu bündeln und Wissen zu teilen, können wir die Wirkung unserer Arbeit deutlich steigern. Die Herausforderung ist klar: Wir müssen mit weniger öffentlichen Mitteln mehr erreichen. Das erfordert eine konsequente Fokussierung auf unsere Kernregionen und die Frage, wo wir den größten Impact erzielen können. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, unsere Effizienz weiter zu steigern und den Mut zu haben, Prioritäten klar zu setzen. 

"Hinter Haushaltszahlen stehen reale Menschenleben" - Mittelkürzungen bedrohen globale Solidarität

HelpAge: 2025 war geprägt von weitreichenden Mittelkürzungen für internationale Hilfe – in Deutschland ebenso weltweit. Wie haben Sie diese Entwicklung persönlich erlebt?

Nadine Fels: Für mich war es besonders schwer zu sehen, wie schnell wichtige Hilfsprojekte infrage gestellt wurden, obwohl der Bedarf an Unterstützung weltweit weiterhin so hoch ist. Gerade für besonders verletzliche Gruppen – zu denen ältere Menschen in Krisensituationen gehören – können solche Einschnitte lebensgefährliche Folgen haben. Die Frage, wer Unterstützung erhält und wer nicht, wird durch Mittelkürzungen sehr konkret.  

Dr. Tom Kafczyk: Ich sehe mit Sorge, wie globale Solidarität zugunsten nationaler Interessen in den Hintergrund rückt. Hinter Haushaltszahlen stehen reale Menschenleben – das kann man nicht leugnen oder schönreden. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass wir diesen Herausforderungen nur mit einem ehrlichen, offenen Dialog begegnen können. Es braucht den aktiven Austausch über verschiedene Sichtweisen und Argumente in Politik und Gesellschaft – auch dort, wo es schwierig wird. Wir müssen die unterschiedlichen Perspektiven ernst nehmen und gemeinsam nach Wegen suchen, wie wir trotz knapper werdender Ressourcen unserer Verantwortung gerecht werden können. Nur durch diesen Dialog schaffen wir die Akzeptanz, die notwendig ist, um die internationale Zusammenarbeit langfristig und stabil zu sichern.  

Ältere Frau sitzt in ihrem Zuhause auf dem Bett und blickt in die Kamera.
„Ausdruck einer massiven Krise der globalen Solidarität“: Mittelkürzungen im Bundeshaushalt bedrohen die Versorgung von über 400.000 bedürftigen Menschen wie etwa von Biritu aus Äthiopien.

HelpAge: Wie ist HelpAge Deutschland von den Mittelkürzungen betroffen? Gibt es bereits konkrete Auswirkungen auf Hilfsprojekte?

Dr. Tom Kafczyk:Wir müssen der Realität ins Auge blicken: Die Mittelkürzungen treffen uns hart. Wir rechnen zwischen 2024 und 2026 mit einem Rückgang der Zuwendungen von rund 3,5 Millionen Euro. Das hat konkrete Folgen: In Ländern wie Äthiopien, Tansania und Burundi mussten wir unsere Arbeit bereits einschränken. Betroffen sind unter anderem die palliative und geriatrische Basisversorgung, die Bereitstellung lebensnotwendiger Hilfsmittel, aber auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Programme zur Einkommenssicherung. 

Insgesamt werden wir über 400.000 bedürftige Menschen weniger erreichen können. Für mich ist das ein Ausdruck einer massiven Krise der globalen Solidarität. Wir brauchen dringend Lösungen und appellieren mit Nachdruck an die Politik, die internationale Zusammenarbeit nicht weiter zu schwächen. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, verlässliche Strukturen zu erhalten, die Leben schützen und Würde bewahren. 

HelpAge: Welche Strategien hat HelpAge Deutschland entwickelt, um unter diesen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben?

Nadine Fels: Ein zentraler Ansatz ist die Diversifizierung unserer Finanzierung. Das bedeutet, dass wir stärker auf unterschiedliche Finanzierungsinstrumente setzen – von öffentlichen Mitteln über Stiftungen bis hin zu privaten Spenden und Partnerschaften. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit unseren lokalen Partnerorganisationen zusammen, um Projekte möglichst stabil weiterzuführen und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können. 

Die aktuelle Situation fordert uns auch, kreativer zu denken und neue Wege zu erkunden. Wir verstehen das nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance für Entwicklung. Deshalb schauen wir zunehmend auch in den Bereich der Geschäftsmodellentwicklung und fragen uns: Welche Ideen könnten dazu beitragen, unsere Arbeit langfristig zu stärken – und gleichzeitig unsere Themen sichtbarer zu machen?  

HelpAge: Welche Rolle spielen private Spenden in Zeiten unsicherer öffentlicher Förderung?

Nadine Fels: Private Spenden sind für unsere Arbeit enorm wichtig. Gleichzeitig habe ich großes Verständnis dafür, dass viele Menschen in Deutschland selbst sehr genau auf ihr Geld schauen müssen. Steigende Lebenshaltungskosten, höhere Energiepreise – das spüren viele Haushalte ganz konkret im Alltag. Umso beeindruckender ist es, wenn Menschen sich trotzdem entscheiden, unsere Arbeit zu unterstützen. 

Was mich dabei besonders berührt: Spenden sind immer auch ein Ausdruck von Vertrauen und Solidarität. Menschen sagen damit: Es ist mir nicht egal, wie andere Menschen leben – auch wenn sie weit weg sind. Gerade für Organisationen wie HelpAge Deutschland, die sich für ältere Menschen weltweit einsetzen, ist das eine unglaublich wichtige Grundlage. 

Dr. Tom Kafczyk: Private Spenden sind unser „Anker der Unabhängigkeit“. Sie ermöglichen uns, flexibel auf Krisen zu reagieren und langfristige Projekte dort zu sichern, wo sie am dringendsten gebraucht werden – unabhängig von Gebern oder der Politik. Jede private Spende ist für uns auch ein Stück gelebte Solidarität, die zeigt: Die Gesellschaft lässt die älteren Menschen im Globalen Süden nicht allein. Diesen Rückhalt zu spüren, ist eine enorme Motivation für unser gesamtes Team und unsere Partner weltweit. 

Ansprechperson

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Dr. Tom Kafczyk

Geschäftsführender Vorstand

Nadine Fels, neue geschäftsführende Vorständin von HelpAge Deutschland, vor Weltkarte im Büro

Nadine Fels

Geschäftsführender Vorstand und Vorstandssprecherin