Jede Oma zählt
Der 15. Juni ist der Welttag gegen die Misshandlung von älteren Menschen.

Internationaler Tag gegen die Misshandlung älterer Menschen

Der 15. Juni, der Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen, ist ein internationaler Awareness Day. Auch wir möchten diesen Tag nutzen, um auf Gewalt und Missbrauch von älteren Menschen aufmerksam zu machen. Misshandlungen finden oft im Verborgenen statt und doch wird insbesondere die Situation von Älteren öffentlich nicht genügend wahrgenommen. Dabei erfuhr weltweit bereits jeder sechste ältere Mensch eine Form von Misshandlung. Insbesondere durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Isolation der älteren Menschen verschärft sich die Situation zusätzlich. 

Schauen Sie nicht weg! Heute zeigen wir Ihnen, was Altersmisshandlungen überhaupt sind und wie Sie diese erkennen können, was zu tun ist, um sie aufzudecken und an wen Sie sich wenden können, wenn Sie selbst betroffen sind. Helfen Sie uns, älteren Menschen Respekt und Würde entgegen kommen zu lassen und sie vor Misshandlungen zu schützen!

1 von 6 Menschen ist von Gewalt oder Missbrauch betroffen.


Was ist Altersmisshandlung und wie erkenne ich sie?


Altersmisshandlungen äußern sich durch Gewalt oder irgendeine andere Form von Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Alters. Sie kann von nahestehenden Menschen ausgeübt werden, wie Familienmitgliedern und Betreuenden, oder auch durch soziale Strukturen oder Institutionen entstehen. Weltweit ist jeder sechste ältere Mensch von Misshandlungen betroffen - doch nur 4 % dieser Taten werden gemeldet. 

Es gibt viele verschiedene Arten der Misshandlung. Dazu gehört physische Gewalt, wie schlagen und schubsen oder auch die unsachgemäße Vergabe von Medikamenten, ebenso wie sexuelle oder emotionale Gewalt, also Übergriffe, Einschüchterungen, Demütigungen und Ignoranz. Auch soziale Vernachlässigungen und finanzielle Übergriffe zählen dazu. 

Es gibt viele Formen der Misshandlung.


Wie kann ich Misshandlungen aufdecken?


Verbunden bleiben
Bleiben Sie mit älteren Menschen in Verbindung! Auch jetzt, in Zeiten des sozialen Distanzierens, kann ein Telefon- oder Videoanruf eine Menge bewirken. Das Wissen, dass jemand im näheren Umfeld erreichbar ist, schenkt den Menschen Hoffnung und Zuversicht.

Zuhören
Wenn Sie jemand um Hilfe bittet, hören Sie zuerst zu - am besten, ohne zu unterbrechen oder zu drängen. Ein offenes Ohr kann bereits helfen, die Dinge zu sortieren und zu verstehen. Es ist wichtig, dass die hilfesuchende Person die Möglichkeit hat, eigene Schlüsse zu ziehen und selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen.

Informieren und verbinden

Unterstützen Sie die Person dabei, die Zeichen von Misshandlung zu erkennen. Zeigen Sie ihr, welche verschiedenen Formen es gibt und geben Sie anschauliche Beispiele, sodass sie einfach zu verstehen sind. Sprechen Sie Hilfesuchenden gut zu: Jeder Mensch auf dieser Welt hat ein Recht auf ein Leben in Würde und ohne Angst - so auch Ältere. Wenn die Person nicht in der Lage ist, sich mit eigener Kraft aus der Lage zu befreien, unterstützen Sie sie. Auch Hilfetelefone oder soziale Einrichtungen können helfen.

Misshandlungen melden
Wenn Sie sehen, dass eine ältere Person misshandelt wird, melden Sie dies. Hilfreich sind besonders nahestehende Menschen, wie die Familie oder Betreuende, die in schwierigen Situationen beistehen oder zu professioneller Hilfe ermutigen können. Sind die Nahestehenden jedoch selbst für die Misshandlungen verantwortlich, gelten andere Regeln. Konfrontieren Sie sie nicht mit ihrem Fehlverhalten, wenn Sie die betroffene Person nicht unmittelbar in Sicherheit bringen können. Andernfalls könnte das nur noch mehr Gewalt nach sich ziehen. Die Sicherheit der Menschen ist Priorität Nummer 1. 

Was kann ich tun, wenn ich mich selbst unwohl fühle?


Der erste Schritt ist, die Zeichen einer Misshandlung zu erkennen und zu realisieren. Dabei ist es besonders wichtig zu verstehen, dass das Fehlverhalten anderer nicht Ihre Schuld ist. Sie können nichts dafür und brauchen sich keine Vorwürfe machen oder gar beschämt fühlen. Es ist ihr Recht, Hilfe zu bekommen. Sprechen Sie mit jemandem darüber, der Ihnen nahe steht und dem sie vertrauen können. Dies kann zum Beispiel ein Familienmitglied, ein Freund oder eine Freundin sein, aber auch Betreuende, Pflegerinnen und Pfleger oder Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Wenn Sie sich in Ihrem Zuhause nicht mehr sicher fühlen, überlegen Sie sich einen Notfallplan mit einem sicheren Ort, an dem Sie unterkommen können und Menschen, die Ihnen helfen können. 

Anonyme Hilfe gibt es bei der kostenlosen Hotline der TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (Webseite www.telefonseelsorge.de).


Veröffentlicht am 14.06.2020