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APU - Peru

Projektbeschreibung
Hintergrund
"Die Kartoffel ist wie wir Menschen"

Projektbeschreibung

Die Kartoffel als Überlebensretter
Die Kartoffel nimmt auf der Liste der wichtigsten Grundnahrungsmittel weltweit den vierten Platz ein und ist besonders für Kleinbauern im globalen Süden oft überlebenswichtig. Denn die tolle Knolle liefert pro Hektar doppelt so viel Nährwerte wie Getreide. Neben diesen "rationalen Gründen" ist den alten Bauern und Bäuerinnen in der südperuanischen Region Ayacucho, der Wiege der Kartoffel, aber noch etwas Anderes ganz wichtig: Eine von Zuneigung und Respekt geprägte Beziehung der Menschen zur Kartoffel bzw. zur Mutter Natur. Oder, um es mit Doña Elenas Worten zu sagen, einer Dame, die mit ihren 78 Jahren und auf 3650m Höhe noch erstaunlich rüstig daherkommt: "Die Kartoffel ist wie wir Menschen, sie gedeiht nur dann wirklich, wenn wir ihr Respekt und Liebe entgegen bringen". Eine Pflanze, die ihre Ahnen vor Jahrtausenden kultiviert haben und die ihnen das Überleben in den Höhen über 3.000 Metern ermöglicht hat. Eine große Sortenvielfalt war dabei immer unabdingbar: Je nach Boden, Niederschlagsmenge, Hanglage, Höhe, Temperatur und Sonneneinstrahlung wächst die eine oder andere Sorte besser. Um sich von jährlichen Schwankungen unabhängiger zu machen, züchteten die Andenbauern im Verlauf der Jahrtausende mehr als 5.000 Sorten.

Verlorengegangene Vielfalt
Seit dem peruanischen Bürgerkrieg in den 1980/90er Jahren wurde die traditionelle andine Gemeinschaft besonders im südperuanischen Hochland von Huanta/Ayacucho schwer zerrüttet, viele Bewohner durch Zwangsumsiedelung in vermeintlich sichere Enklaven ihrer natürlichen Lebensgrundlage – dem Kartoffelanbau- beraubt. Der Verlust von Ackerflächen und das Zerreißen traditioneller Tausch-/Handelsbeziehungen innerhalb der Region bzw. der erweiterten Großfamilie verstärkte den Verlust persönlicher wie gemeinschaftlicher Identität und ließ v.a. die jüngeren Generationen orientierungs- und wurzellos zurück. Bei der Wiederbesiedlung angestammter Dörfer und der Neuknüpfung traditioneller Beziehungsnetze und Gemeinschaftsidentitäten als Ganzes spielt(e) die Kartoffel als nicht nur als Grundnahrungsmittel eine zentrale Rolle.

Wiederentdeckung alter Pfade
Die in Ayacucho ansässige, peruanische Organisation APU arbeitet seit Ende des Bürgerkrieges in ausgewählten Hochlandgemeinden daran, über praktische Begegnungen, (Saatgut-)Austausche, Gemeinschaftsäcker etc. nicht nur die Ernährung zu sichern, sondern durch wichtige Festivitäten Jung und Alt sowie ehemals verfeindete Dörfer wieder zusammenzubringen und das andine Erbe und Selbstverständnis zu erhalten.

HelpAge unterstützt dieses Engagement, bei dem die alten Gemeindemitglieder als weise Ratgeber im Mittelpunkt stehen, seit vielen Jahren im Rahmen seines Wissensweitergabe-Schwerpunktes. Praktische Aktivitäten rund um Kartoffelanbau und –Sortenerhalt stehen im Vordergrund und beleben Biodiversität, Ernährungssicherheit und dörfliche Beziehungen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist dabei die von besonderer Zuneigung geprägte Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln. Beide Gruppen unterhalten in ihrem Dorf ein gemeinsames Feld. Dort treffen sie sich zur Minka (Gemeinschaftsarbeit), wobei die Alten den Jungen erläutern und zeigen, wie man anbaut und "pflegt". Natürlich wird dabei auch über andere Dinge gesprochen. Glücklicherweise sprechen die Kinder alle noch Quechua, weshalb ihnen die innige Beziehung zur Natur und allen Lebewesen leicht verständlich ist. Angeleitet von den Alten können die Jüngeren so auch die Saatgutwege zwischen den Dörfern Ayacuchos und Huancavelicas reaktivieren, den Austausch wieder aufnehmen und die alten Rituale "ausgraben".

Zukünftig sollen wichtige Komponenten wie Viehhaltung und Wasserstellenbewirtschaftung, z.B. für die Herstellung der gefriergetrockneten Schrumpfkartoffel chuño, einer existentiellen Reserve für schlechte Zeiten, stärker in den Projektansatz integriert werden. Ähnlich wie das Deuten des Klimawandels und seiner Folgen, die sich in Form von plötzlichen Kälteeinbrüchen, verzögerten Regenzeiten und dem Verschwinden von Nützlingen manifestieren. Und auch das soziale Gefüge der Dorfgemeinschaft und die jeweiligen Verantwortlichkeiten für Familie und Gemeinsinn in unterschiedlichen Lebensphasen werden dann stärker betrachtet.

Durch die Unterstützung dieses Projektes können Sie dazu beitragen, dass das Wissen der Alten für die Ernährungssicherung, den sozialen Frieden und die Anpassung an den Klimawandel in den südperuanischen Anden nicht verloren geht. Für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen ist dieses Wissen von großer Bedeutung!

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Material

Projektflyer
Der Projektflyer verschafft in gestraffter Form einen Überblick über die wichtigsten Projektinfos. Gut als Email-Anhang...

Hintergrundpapier Landwirtschaft & Vielfalt | HelpAge Deutschland

Bildungsmaterial "Kartoffelwelten"
Die Hintergründe des traditionellen Kartoffelanbaus sind in einer HelpAge-eigenen Publikation anschaulich aufbereitet. Eigentlich für Lehrer und den Einsatz in Grundschulen gedacht, ist sie sicher auch für alle anderen interessant, die in den "Kosmos Kartoffel" eintauchen wollen.





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