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Aktueller Reisebericht von
unseren Gesundheitsprojekten
im Libanon


Vor einigen Wochen haben wir unser Hilfsprojekt im Libanon besucht und durften die Erfahrungen der Menschen, die wir dort unterstützen, mit ihnen teilen. Erfahrt hier die Geschichten von Soufan (Aytachaab), Ahmad & Fudha (Syrien) und von Jamila (Libanon) und wie es ihnen heute geht.


Soufan Sariya aus Aytachaab

Soufan Sariya ist 55 Jahre alt, sie lebt alleine im Dorf Aytachaab. "Es regnet durch mein Dach und ich habe keine Heizung", ruft die Rentnerin in die Runde. Ein paar der Frauen lachen, eine fragt "häkelst du deshalb eine warme Mütze?". Die Stimmung in der Häkelgruppe ist ausgelassen, die Damen fühlen sich wohl. Auf den ersten Blick verrät nur der sperrige Name auf dem Plakat an der Tür, "psychosoziales Begleitprogramm", dass etwas nicht in Ordnung ist.


Soufan Sariya in der Häkelgruppe

Diabetes, Bluthochdruck, Asthma. Das sind Soufans Gebrechen. Andere hatten einen Herzinfarkt, leiden an Rheuma oder Arthritis. Allen gemein ist, dass sie sich ihre Krankheit eigentlich nicht leisten können. "Ich lebe von 66 Dollar im Monat", erzählt Soufan und blickt kurz von ihrer Häkelarbeit auf. "Alle drei Monate bekomme ich auch ein Paket mit Lebensmitteln". Geld für Medikamente, die bei chronischen Krankheiten regelmäßig und dauerhaft eingenommen werden müssen, ist keines übrig, auch nicht für die Praxisgebühr, die in den meisten Gesundheitszentren bei etwa 10 Dollar liegt. In Aytachaab ist das nun anders. Seitdem HelpAge die kleine Klinik im Südlibanon unterstützt, können alte Menschen mit chronischen Krankheiten dort kostenlose Untersuchungen und kostenlos Medikamente bekommen.

Medikamente und Befunde sind aber nur ein Teil der Behandlung. Genauso wichtig sei es, erklärt die medizinische Koordinatorin des Projektes Maguy Ghanem, die psychische Komponente zu beachten. Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. "In der Häkelgruppe kann ich einmal nicht an meine Sorgen denken", bestätigt auch Soufan. Einmal pro Woche nimmt sie auch an der Sportgruppe teil: Fitnesstraining. Und direkt nach dem Häkeltreff gibt es eine Gruppensitzung mit der Psychologin des Gesundheitszentrums. "Dort kann jeder von seinen Problemen erzählen. Es hilft zu wissen, dass man nicht allein ist."


Ahmad Khaliz aus Syrien

Ahmad Khaliz redet nicht gerne über sich selbst. Wenn es nach ihm ginge, dann sollte es nicht um ihn gehen. "Meine Familie", sagt er, "hat absolute Priorität". Die Familie, das sind seine Frau, die vier Töchter und drei Söhne – und jeder Gedanke, der durch Ahmads Kopf schwirrt, dreht sich um sie. So war es die erste und schwierigste Aufgabe der Ärzte im Gesundheitszentrum Aytachaab, Ahmad klarzumachen, dass seine Familie bald ohne ihn klarkommen müsse, wenn er sich nicht bald um seine eigene Gesundheit kümmere. "Das zu realisieren, war einer der schlimmsten Momente in meinem Leben", erinnert sich Ahmad. Zwei Herzinfarkte und eine Herz-OP hatte der 46-Jährige da schon hinter sich.

"In Syrien ging es uns gut", erzählt der Familienvater. Sie haben im eigenen Haus gelebt, zwei Wohnungen haben sie vermietet, haben auf einem Stückchen Land das eigene Gemüse angebaut, Ahmad hat als Baggerfahrer gearbeitet. Dann kam der IS nach Rakka, hat ihnen das Haus weggenommen. Das Land und ein Auto konnte Ahmad noch verkaufen und nach acht Monaten gelang der Familie die Flucht in den benachbarten Libanon, zuerst in den Bezirk Mount Lebanon, dann in den Süden. "Eine meiner Töchter bricht noch immer in Panik aus wenn sie einen Mann mit Bart sieht", sagt Ahmad, dann erzählt er voller Sorge und doch voller Stolz von seinen Kindern.


Ahmad Kaliz und seine Familie

Am Nachmittag, als Ahmads Routine-Untersuchung beendet ist und er an einem Kurs zur gesunden Lebensweise für Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck und Herzerkrankungen teilgenommen hat, besuchen wir seine Familie in den drei Zimmern, die sie am Ortsrand anmieten konnten. Ein Ofen in der Mitte des vorderen Raums heizt die Luft auf, Ahmad und seine Frau und die Töchter Lara und Yahra sitzen nah am Feuer, die Jungs sind noch in der Schule. Ahmads Frau kümmert sich den ganzen Tag um die 17-jährige Yahra. Sie ist seit ihrer Geburt gelähmt – Zerebralparese. Einen Rollstuhl hat die Familie nicht. Lara, das älteste der Kinder, wurde taubstumm geboren. In Syrien hat sie angefangen Gebärdensprache zu lernen und war sehr gut in der Schule, im Libanon kann sie nicht zur Schule gehen. Die meiste Zeit des Tages verbringe sie beim Malen, erzählt die Mutter, denn die 19-Jährige liebt es, bunte Vögel, Blumen und ihre Familie zu zeichnen.

"Wir haben es alle nicht leicht“, sagt Ahmad, „aber wir halten zusammen und lieben einander sehr, wir behalten unsere Würde".


Fudha Khalla aus Syrien

Fudha Khalla ist mit der Behandlung in Kamed el Loz zufrieden. Bei der Syrerin, die vor drei Jahren mit ihrem Mann und den sechs Kindern aus Al Ghouta hierher geflohen ist, wurde ein viel zu hoher Blutdruck festgestellt. "Manchmal konnte ich meine Medikamente mehrere Monate lang nicht einnehmen", erzählt die 53-Jährige, "keine Apotheke hatte es mehr, oder ich sollte sehr, sehr viel dafür bezahlen". In der Klinik von Kamed el Loz bekommt sie das wichtige Medikament, das sie jeden Morgen und Abend einnehmen muss, nun kostenlos – dank des Gesundheitsprogramms von HelpAge. "Ich wüsste nicht, wie ich es bezahlen sollte, bis zu 25 Dollar wollten sie in manchen Apotheken von mir haben, dabei haben wir doch keinerlei Einkommen", erzählt Fudha weiter.

Zuhause war ihr Mann in einer Zement-Firma angestellt, im Libanon sind sie nun alle arbeitslos und müssen auch noch die 200 Dollar monatlich für die Miete der Bauruine ausgeben, in der sie wohnen.

"Ich hoffe nur, dass wir bald zurück in unsere Heimat können", sagt Fudha, "sie liegt direkt dort, hinter den Bergen".


Die Apotheke im Gesundheitszentrum Kamed El Loz


Jamila aus dem Libanon

Jamila ist 73 Jahre alt und heute zum ersten Mal im Horj Gesundheitszentrum. Sie weiß nicht mehr weiter, mehr als 70 Dollar im Monat kosten ihre Tabletten gegen Bluthochdruck, die Osteoporose und das Magengeschwür – doch die kann sie sich nicht leisten. Von einer Nachbarin hat sie gehört, dass alten Menschen hier geholfen wird. "Früher hat mich mein Sohn immer unterstützt", erzählt sie, "aber jetzt musste er sich am Herz operieren lassen." Sie wollte keine zusätzliche Last sein, deshalb habe sie aufgehört, nach Geld zu fragen.


Jamila und Dr. Manasfe im Gesundheitszentrum Horj

"Ich bin im damals noch besetzten Süden vom Libanon aufgewachsen und habe auf den Feldern der Bauern geholfen, um zu überleben", erinnert sie sich. Zur Schule konnte die 73-Jährige nie gehen, hat deshalb umso mehr Wert darauf gelegt, dass ihre fünf Töchter und der Sohn eine gute Ausbildung bekommen. In der Großstadt Beirut fühle sie sich sehr oft einsam und isoliert.

Im Horj-Gesundheitszentrum hat sie nun die Gelegenheit an den unterschiedlichsten Kursen teilzunehmen und die Menschen aus ihrer Umgebung näher kennenzulernen – Kochkurse für eine gesündere Ernährung, Häkel- und Nähkurse für die Geselligkeit – und um vielleicht ein Einkommen daraus zu verdienen – , Yoga und Meditation, Sitzungen mit einer Psychologin und seit Neuestem auch einen Kurs, in dem die alten Menschen Schreiben und Lesen lernen können. "Meine Kinder werden so stolz auf mich sein wenn ich meinen eigenen Namen schreiben kann", sagt sie voller Vorfreude.

Mehr Informationen über das Projekt hier.




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