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Helfer in Beirut_WV_Libanon

Explosion in Beirut: Als wäre die ganze Bundesstadt Bonn von heute auf morgen obdachlos

Die Explosion verursachte Schäden im Umkreis von 20 km um das Hafengebiet
 
Hunderte von Gebäuden und alle umliegenden Wohngebiete wurden beschädigt oder zerstört, darunter viele Gesundheitseinrichtungen und mehrere große Krankenhäuser.
 
Mindestens 170 Menschen wurden getötet, über 5.000 verletzt und mehr als 300.000 Menschen sind obdachlos.


Geschätzte Sachschaden: bis zu 15 Milliarden US-Dollar 
 
Krankenhäuser sind mit Opfern überlastet und viele Patienten wurden auf Gehwegen oder auf Parkplätzen behandelt, andere wurden an nahe gelegene Gesundheitszentren / Krankenhäuser überwiesen. 

Während viele Krankenhäuser bereits Kapazitäten mit COVID-19-Patienten erreichen, hat diese Explosion das bereits überlastete Gesundheitssystem zusätzlich belastet.
 
 


HelpAge Mitarbeiterin Hiba Shaer berichtet aus Beirut


Nach der schweren Explosion im Hafen von Beirut am Dienstagabend laufen Bergungsarbeiten, Not- und Soforthilfemaßnahmen auf Hochtouren. Wie auch HelpAge sind Hilfsorganisationen aus dem Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ bereits seit Jahren mit lokalen Büros oder Partnerorganisationen im Libanon aktiv. Auch wenn viele Helfer vor Ort selbst von der Explosion betroffen waren, konnten sie schnell erste Hilfsaktivitäten einleiten.  

Die Krankenhäuser in der libanesischen Hauptstadt sind – auch wegen der Corona-Pandemie – völlig überlastet und müssen Verwundete zum Teil zurückweisen. Die Helferinnen und Helfer vor Ort bemühen sich nach Kräften, die medizinische Versorgung der Verletzten zu bewältigen.

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HelpAge Mitarbeiterin Hiba Shaer berichtet: 

HelpAge Libanon
Hiba Shaer in Beirut


Seit der Explosion in Beirut befinde ich mich in einem Schockzustand. Ich habe nicht geglaubt, dass sich die Lage im Libanon nach den politischen Unruhen, der Wirtschaftskrise und dann der COVID19-Pandemie noch weiter verschlechtern könnte. Und dann geschah dies.
Ich war besorgt, zum Ort der Explosion zu gehen und die betroffenen Menschen zu treffen. Ich hatte Angst davor, Menschen zu sehen, die trauern oder nach ihren Lieben suchen, und ich hatte Angst, vor ihnen emotional zu werden und ihnen nicht die nötige Unterstützung bieten zu können. 
Es brach mir das Herz, als ich mit meinen Kollegen vor Ort ankam, um die Orte zu sehen, an denen ich jeden Morgen auf dem Weg zum Büro vorbeikam, alle zerstört, mit nichts an ihrem Platz als Trümmern und zerbrochenem Glas. 
Doch dann sah ich, dass Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten aus dem ganzen Libanon kamen, um Seite an Seite mit den betroffenen Menschen in Beirut zu stehen und sie auf jede erdenkliche Weise zu unterstützen. 
Es gab mir ein Gefühl der Hoffnung, die Sorge und die Anstrengungen zu sehen, die unternommen wurden, um die Straßen und Häuser zu säubern und den Verletzten zu helfen. 
Betroffene berichteten mir ihre verheerenden Geschichten von Angst und Schmerz. Ihre Häuser waren zerstört und Menschen verletzt worden. Und doch war ich von ihrer Widerstandsfähigkeit beeindruckt. Sie waren dankbar, dass sie die Krise überlebt hatten. 
Diese Explosion hat uns alle tief getroffen. Sie hat uns gemischte Gefühle von Angst, Schmerz und Trauer beschert. Aber sie hat uns auch die Chance gegeben, unser Leben zu schätzen und das Gute in den Menschen zu sehen, in der Hoffnung, dass eines Tages all die Härten, die wir durchmachen, ein Ende haben und bessere Tage kommen werden. 



Augenzeugenberichte


Kamal (80), befand sich zur Zeit der Explosion in der Nähe des Hafens 

Kamal lebt mit seiner Frau und seiner kranken Tochter im Al Nahr Flussgebiet von Beirut. Er hat vor Jahren wegen seines Alters aufgehört zu arbeiten. Seine Familie befindet sich in einer sehr schlechten finanziellen Situation. Seine Frau hat Bluthochdruck und seine Tochter leidet an einem Hirnschaden.
"Wir waren zu Hause, als der Vorfall passierte. Ich hatte Angst, Angst, meine Familie zu verlieren. Das ganze Glas ist jetzt auf dem Boden, sogar die Türen sind kaputt."
Durch alles, was im Libanon passiert ist, hat Kamal bis heute nie die Hoffnung verloren aber jetzt:  "Jetzt habe ich keine Hoffnung mehr in diesem Land. Wir zählen die Tage, bis wir sterben."
Die Menschen helfen ihm auf unterschiedliche Weise. Hilfsorganisationen veteilen Nahrungsmitteln. Doch trotz all dieser Hilfe ist Kamals Haus immer noch mutlos, seine Frau braucht  Medikamente und sie brauchen Geld, um zu überleben.
Kamal hat eine Botschaft, die er der Welt senden möchte: "Was passiert ist, ist inakzeptabel. Das ist eine Katastrophe für alle Menschen. Nicht nur im Libanon, sondern für die ganze Welt."



Georges (67), verlor seinen Friseurladen 

Georges Friseurladen in Gemmayze - einem Viertel im Herzen Beiruts, das weniger als 800 Meter von der Explosion entfernt liegt.
Sein Laden wurde völlig  zerstört, aber Georges schläft jetzt dort, da es in einem besseren Zustand ist als seine Wohnung.
"Ich brauche Geld, um mein Haus und meinen Laden zu reparieren."
Doch trotz dieser Katastrophe ist Georges immer noch zuversichtlich, dass die Anwesenheit der jungen und aktiven Generation Beirut und den Libanon wieder aufsteigen lassen wird.
 "In meinen 67 Jahren, in denen ich in der Gegend lebe, habe ich zum ersten Mal gesehen, wie all diese jungen Menschen sich für die Betroffenen einsetzten und sich in der Kriese gegenseitig helfen."
"Die Menge an Liebe ist unbeschreiblich. Alle sind vereint, ohne Unterschied zwischen Nationalitäten, Religionen  oder politischer Gesinnung. Da ist der Libanon, den wir wollen." 

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Titelfoto: World_Vison_Libanon
Veröffentlicht am 06.08.2020