Altersrenten in Entwicklungsländern
Eine Utopie oder Notwendigkeit,
um Armut effektiv zu bekämpfen?

Studie zu einem Pilotprojekt in Tansania erschienen


Vier von fünf Menschen weltweit haben keinen ausreichenden Schutz vor den Folgen von Krankheit, Arbeitslosigkeit oder hohem Alter, obwohl das Recht auf soziale Grundsicherung in den Allgemeinen Menschenrechten verankert ist. Doch die meisten Menschen können ihre grundlegenden Lebensrisiken nicht absichern und sind somit ständig dem Risiko weiterer Verarmung und einer weiteren Reduzierung ihrer Selbsthilfefähigkeit ausgesetzt. Nur langsam macht sich in der Entwicklungspolitik die Erkenntnis breit, dass soziale Grundsicherung gerade für die Ärmsten der Armen von hervorragender Bedeutung ist. Viele Pilotprojekte und Studien haben gezeigt, dass auch arme Entwicklungsländer soziale Grundsicherung für ihre Bürger finanzieren können. So hat z.B. die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) herausgefunden, dass allein die Einführung einer universellen Altersrente und einer Leistung für Kinder im Schulalter und für Waisen die Armutsquoten in Senegal und Tansania um 40 Prozent reduzieren würde. Die Kosten für ein solches Basispaket würden bei etwa drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen.

Eine besonders wichtige Zielgruppe dieser Politik sozialer Grundsicherung müssen alte Menschen sein. 100 Millionen ältere Menschen leben weltweit mit weniger als einem Dollar pro Tag. Traditionelle Sicherungssysteme wie Familie und Gemeinschaft zerfallen zunehmend. Gerade für alte Menschen sind Gesundheitsversorgung und Ernährungssicherung von hervorragender Bedeutung – und werden von der Entwicklungszusammenarbeit viel zu häufig übersehen.

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In der Studie "Salz, Seife und Schuhe für die Schule" werden die Wirkungen eines Pilotprojektes zur Rentenzahlung für alte Menschen und ihre Enkelkinder in einer Region Tansanias beschrieben. Durchgeführt und gefördert wurde die Studie von HelpAge, World Vision, der DEZA/Schweiz und REPSSI.

Die Studie beschreibt die Resultate des Projektes KwaWazee, das seit Ende 2003 in der Region Kagera im Nordwesten Tansanias am Victoriasee durchgeführt wird. Ein Grossteil der Aids-Waisen lebt hier in Haushalten, die von Großmüttern geführt werden. Ziel des Projektes ist es, besonders arme und gefährdete Menschen über 60 Jahre mit regelmäßigen Renten zu unterstützen sowie mit Kinderzulagen, wenn sie für Enkelkinder sorgen. Besonderes Interesse galt dem kaum erforschten psychosozialen Wohlbefinden von älteren Menschen. Neuartig ist auch der aktive und vielseitige Einbezug der Kinder in eine Evaluation über die Wirkung von Renten.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie zeigen, dass alte Menschen durch die Grundrente
  • signifikant besser ernährt sind (mehr und vielseitigere Nahrung)
  • besser auf Notsituationen wie Krankheit oder Dürren vorbereitet sind
  • deutlich seltener betteln müssen
  • ihren Boden durch Arbeitskräfte bearbeiten lassen können, wenn sie wegen ihrer körperlichen Schwäche nicht mehr selbst dazu in der Lage sind
  • ein signifikant besseres psychisches Wohlbefinden haben; sie haben weniger Stress und Ängste, sie sind zuversichtlicher und schlafen besser
Sehr interessant sind auch die Wirkungen der Grundrenten auf die Kinder in den Großeltern-geführten Haushalten. Die Studie zeigt, dass Kinder in diesen Haushalten

- besser ernährt sind
- regelmäßiger zur Schule gehen
- weniger hart arbeiten müssen
- mehr Zeit zum Spielen und Lernen haben und
- weniger emotionalen Stress empfinden.

Mit dieser Untersuchung wird ein weiterer wichtiger Beitrag in der Diskussion um die soziale Grundsicherung geleistet.

Download-Materialien:
Evaluation 2008 – deutsche Kurzfassung
Evaluation 2008 – englische Kurzfassung
Evaluation 2008 – englische Langfassung
"Living with our Bibi"
(Untersuchung zur Situation von Kindern,
die bei ihren Großmüttern leben, Glynis Clacherty, Mai 2008)


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