Zur Situation

Die Zahl der über 60-Jährigen wird von 600 Millionen im Jahr 2000 auf etwa zwei Milliarden im Jahr 2050 anwachsen. Der Anteil älterer Menschen vergrößert sich damit von 10 Prozent auf 21 Prozent. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wird es dann mehr Menschen über 60 Jahre geben als Kinder unter 14 Jahren. Der größte und schnellste Anstieg wird in den Entwicklungsländern stattfinden, wo sich die Zahl der über 60-Jährigen in den kommenden fünf Jahrzehnten voraussichtlich vervierfachen wird. Ein derartiger weltweiter demografischer Wandel wird tief greifende Auswirkungen auf alle Aspekte des persönlichen, gemeinschaftlichen, nationalen und internationalen Lebens haben. Die steigende Zahl älterer Menschen bei gleichzeitiger Armut stellt viele Entwicklungsländer vor völlig neue Aufgaben. Dort, wo soziale Sicherungssysteme fehlen, sind alte Menschen häufig auf sich allein gestellt. Sie können sich zunehmend weniger auf die traditionelle Solidarität der Familie und Verwandtschaft verlassen, da z.B. die Kinder im Zuge der Mobilität und Arbeitssuche abwandern oder aufgrund von AIDS sterben. Familienverbände lösen sich auf und stehen für die Versorgung ihrer älteren Mitglieder nicht mehr zur Verfügung. Dadurch ist Alter in vielen Teilen der Welt gleichbedeutend mit Armut. Hiervon sind Frauen stärker betroffen als Männer.
Die Geschwindigkeit, mit der der demografische Wandel vor sich geht, in Kombination mit alarmierenden Armutsraten und schwindenden natürlichen Ressourcen, unterstreicht die dringende Notwendigkeit innovativer Problemlösungsvorschläge, um Überleben, Teilhabe und Integration älterer Menschen weltweit zu verbessern. Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist es, eine Gesellschaft aufzubauen, die die alternde Bevölkerung als integralen Bestandteil sieht und alte Menschen als aktive Partner mit einbezieht, um eine Gesellschaft für alle Altersgruppen zu schaffen. Neben Maßnahmen sozialer Integration und Sicherung, ist auch eine breit angelegte Diskussion und Sensibilisierung über die Lage älterer Menschen nötig, um zu globalen Vereinbarungen über Armutslinderung, medizinische Versorgung und soziale Entwicklung zu gelangen. Arme, missachtete und vergessene alte Menschen und ihre Gemeinschaften müssen über konkrete Projekte unterstützt werden, um menschliches Leid zu lindern, Solidarität zu üben, Teilhabe zu fördern und Eigenpotenziale durch Selbsthilfe zu stärken. Dies ist nicht nur ein humanitärer Akt, sondern die Einlösung des Menschenrechts auf soziale Sicherheit im Alter. Alte Menschen sind nicht nur Opfer, sondern auch Akteure mit eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen, auf die ihre Gesellschaften bei der Suche nach Zukunftslösungen nicht verzichten können.

Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen und sozialpolitischen Initiativen in Nord und Süd wird HelpAge Deutschland Druck machen auf Politik und Wirtschaft, damit die Rechte alter Menschen weltweit verwirklicht werden. Die Forderungen des "Internationalen Weltaltenplan" von Madrid (2002) und die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen für das Jahr 2015 sind dabei wichtige Bezugspunkte.


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