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KwaWazee - Tanzania

Projektbeschreibung
Grundsicherung für alte Menschen
Hilfe zur Selbsthilfe
Zusammen sind wir stark

Projektbeschreibung

Lebensretter Großmutter
In Tansania existiert (noch) kein System der Altersversorgung. Armut und die Auswirkungen von HIV/AIDS prägen das Leben der meisten der zwei Millionen alten Menschen. Besonders in Nshamba, Ngenge und Mubunda, Streusiedlungen in der Region Kagera westlich des Victoriasees: Zu viele hier mussten ihre eigenen kranken Kinder pflegen und begraben oder in die Städte davonziehen lassen. Durch fehlende staatliche Fürsorge sind besonders die Großmütter die letzte Hoffnung für ihre verwaisten oder zurückgelassenen Enkelkinder. Oder als Letztüberlebende auf das angewiesen, was der karge Garten oder die mitfühlenden Nachbarschaft entbehren können. Kwa Wazee (»für die Alten«) lässt 1150 Großmüttern und mittellosen Alleinstehenden in und um Nshamba eine kleine monatliche "Grundrente" von umgerechnet etwa 7 Euro zukommen. Zusätzlich gibt es für jedes der gut 600 mitversorgten Enkelkinder einen Zuschlag von 3,50 Euro. Darüber hinaus fördert das Projekt die Bildung von Gesprächs- und Spargruppen zur gegenseitigen psychosozialen und finanziellen Unterstützung in Notlagen und ermöglicht Trainings zu Gesundheit, Nahrungshygiene und Selbstverteidigung.

Renten als Chance
Die Zeichen stehen gut: nach der letzten landesweiten Wahl im Herbst 2015 scheint das Thema "alte Menschen" auch bei den führenden Politiker wieder stärker auf der Agenda zu stehen. Konkrete Schritte wie die Einrichtung eines eigenen Altenreferats im bestehenden Sozialministerium im Dezember 2015 sowie die Zahlung einer allgemeinen Grundrente für alle über 70-Jährigen im halbautonomen Teilstaat Sansibar ab April 2016 schüren die Hoffnungen auf eine Verbesserung der Situation der Alten im ganzen Land. Und doch muss man ernüchternd feststellen, dass in der Vergangenheit den vollmundigen Versprechen von staatlicher Seite selten Taten folgten. Wie effektiv eine Rentenzahlung im Kleinen sein kann, zeigt das Kwa Wazee-Projekt seit über zehn Jahren. Entstanden als kleine lokale Hilfsinitiative für wenige hundert Großmütter eines in der Region tätigen Schweizer Entwicklungshelfers zu Beginn der 2000er Jahre hat sich das Projekt zu einem umfassenden Programm zur Armutsbekämpfung und Hilfe zur Selbsthilfe gemausert. Als auch über die Grenzen Tansanias hinaus anerkanntem "Lernlabor" zu Sozialrenten und deren Auswirkungen liefert es seit Jahren wichtige Impulse für die Altenpolitik im Land und hat mit Hilfe vom gleichnamigen Schweizer Förderverein Kwa Wazee, von HelpAge International sowie HelpAge Deutschland in mehreren Studien die bedeutenden und vielschichtigen Auswirkungen der Renten für alte Menschen beschrieben. So erhöhen die Sozialrenten von weniger als zehn Euro pro Monat das zur Verfügung stehende Haushaltsgeld der Projektbegünstigten um fast 80 Prozent. Doch nicht nur das: Wer eine Rente erhält, gewinnt an Ansehen und Achtung in Familie und Dorfgemeinschaft, lokale Läden gewähren leichter Kredite, die physische Gesundheit wird stabilisiert, der Schutz in Krisensituationen verbessert, die Ernährung vielseitiger. Kinder, die in unterstützten Haushalten leben, müssen weniger harte Arbeit leisten, haben mehr Zeit zum Spiel und verbesserte Bildungschancen.

Nachbarschaftsgruppen als Potential
Die Dinge des täglichen Bedarfs, die mit den Renten problemloser erworben werden können (Reis, Zucker, Öl, Gemüse, Seife, Brennstoff, Schulmaterial) sind das eine. Das andere ist das "Mehr", das aus ihnen entstehen kann. Schon früh förderte Kwa Wazee deshalb die Selbstorganisation der RentenempfängerInnen in Nachbarschaftsgruppen mit dem Ziel, ein zusätzliches Sicherheitsnetz für alte und von ihnen abhängige Menschen zu kreieren. Diese rund 80 Nachbarschaftsgruppen sind auch denen zugänglich, die keine Projektrente erhalten. Sie organisieren sich selbst und setzen sich dabei ihre eigenen Regeln und Ziele. Letztere sind z.B. gegenseitige Unterstützung, wenn jemand krank wird oder stirbt; gemeinsames Sparen; Aktivitäten, die etwas Einkommen bringen und natürlich das Zusammensein. Die Gruppen haben sich für Kwa Wazee als außerordentlich wirksam erwiesen bei der Förderung der Gesundheit (Krankenhausaufenthalten), beim Verstärken des physischen Schutzes (Überfälle, Diebstähle) und bei der Stärkung der Rechte alter Menschen gegenüber Behörden (Landkonflikte etc).

Gesundheit als hohes Gut
Die Gratisgesundheitsversorgung alter Menschen bei grundlegenden Beschwerden gibt es in Tansania, doch leider nur auf dem Papier. Größere oder akute Krankenhausaufenthalte der alten Menschen und ihrer Angehörigen sind deshalb nicht selten existenzbedrohend. Kwa Wazee springt auch hier wiederum an verschiedenen Stellen ein: wenn einzelne Nachbarschaftsgruppen sich für eines ihrer Mitglieder an den Kosten für Medikamente oder Krankentransporte beteiligen, erhalten sie einen guten Teil der Auslagen von Kwa Wazee zurückerstattet. Wenn das Augenlicht schwindet, kümmert sich Kwa Wazee darum, dass eine mobile Augenklinik auch in sehr abgelegenen Dörfern erscheint. Häufig reichen Augentropfen oder Brillen, doch bei über hundert PatienInnen mussten bisher im Regionalkrankenhaus Staroperationen vorgenommen werden. In diesen Fällen übernahm Kwa Wazee die Kosten. Neben der Akuthilfe gibt es verschiedene Angebote aus dem Bereich der Prävention, wie regelmäßige Stuhlgymnastik zur Stärkung von Rücken und Gelenken oder von Gesundheitstrainierinnen eingebrachte und dann von einzelnen weitergebildeten Gruppenmitgliedern multiplizierte Kenntnisse über die Benutzung von sauberem Wasser, von Moskitonetzen sowie von günstigen Naturheilmitteln. Seit einigen Jahren häuft sich in Tansania leider die Gewalt gegen alte Menschen und kommt auch im Gebiet von Kwa Wazee immer wieder vor. Raub und sogar Vergewaltigungen gehören dazu, oft im Kontext unterstellter 'Hexerei'. Darum bietet Kwa Wazee in vielen Gruppen Workshops zur Selbstverteidigung und zum Selbstschutz an. Die Wirkung der Kurse zeigt sich bei der Zunahme der körperlichen Fitness und im gestärkten Selbstbewusstsein. Zum besseren Schutz gehört auch, dass die Behörden für Übergriffe sensibilisiert werden und dass identifizierte Täter häufiger verurteilt werden.


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MATERIAL:

Projektflyer
Der Projektflyer verschafft in gestraffter Form einen Überblick über die wichtigsten Projektinfos. Gut als Email-Anhang...

Studie: "Towards universal pensions in Tanzania"

Studie: "Die Bedeutung von Renten im Kampf gegen Armut"

Begleitheft zur Ausstellung "Stille Heldinnen"


Social Protection - Advancing the Response to HIV (UNAIDS 2015)
Auf Empfehlung der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) konnte unser Förderpartner Kwa Wazee Schweiz im Sommer 2014 das Rentenprogramm auf einer UNAIDS-Konferenz in Genf präsentieren. Dieses Dokument wurde im Anschluss an die Konferenz erstellt (englischsprachig).

Forschungsbericht zu Renten und Nachbarschaftsgruppen
Eine Gruppe von Master-Studentinnen der Universität Marburg untersuchte und dokumentierte 2012 unter Verwendung des Befähigungsansatzes von Amartya Sen, wie sich Renten und Nachbarschaftsgruppen auf physische, psychologische und soziale Fähigkeiten und Potenziale auswirken.

Zeitungsartikel: "Im Alter lauert der tägliche Kampf ums Überleben",
Mannheimer Morgen, Mai 2015


Hör-CD: "Was heißt hier ALT! – Keine Zukunft ohne Senioren
Auf unserer Hörproduktion gibt Hannelore Hoger der Rentenempfängerin Eufrasia Iluganyuma eine Stimme.


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